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Wrath
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Alter : 37

Euer Chara
Partner: Beth
Gattung: Vampir (reinrassig)
Job:

BeitragThema: Leseprobe   Sa Sep 17, 2011 8:33 pm

Vor fünfundzwanzig Jahren, drei Monaten, vier Tagen, elf Stunden, acht Minuten und vierunddreißig Sekunden ...
In Wahrheit versickerte die Zeit nicht unwiederbringlich in der Unendlichkeit. Bis unmittelbar zur jeweiligen Sekunde in der Gegenwart war sie formbar, nicht starr. Lehm, nicht Beton.
Wofür Omega dankbar war. Denn wäre die Zeit starr, dann hielte er jetzt nicht seinen neugeborenen Sohn in den Armen.
Kinder zu haben, war eigentlich nie sein Ziel gewesen. Und doch vollzog sich in diesem Augenblick eine Wandlung in ihm.
"Ist die Mutter tot?", fragte er, als sein Haupt-Lesser die Treppe herunterkam. Komisch, hätte man den Vampirjäger gefragt, was für ein Jahr es seiner Einschätzung nach war, hätte er gesagt: 1983. Und damit hätte er auf gewisse Weise Recht gehabt.
Der Haupt-Lesser nickte. "Sie hat die Geburt nicht überlebt."
"Das tun Vampire selten. Eine ihrer wenigen Tugenden." Und in diesem Fall besonders rücksichtsvoll von ihr. Die Mutter zu töten, nachdem sie ihm einen solch guten Dienst erwiesen hatte, wäre ihm etwas rüde erschienen.
"Was soll ich mit ihrer Leiche machen?"
Omega sah seinem Sohn dabei zu, wie er ein Händchen ausstreckte und seinen Daumen umschloss. Der Griff war kräftig. "Wie eigenartig."
"Was denn?"
Was er empfand, war schwer in Worte zu fassen. Oder vielleicht war das genau der Punkt: Er hatte nicht erwartet, überhaupt etwas zu empfinden.
Sein Sohn war als Verteidigungsmaßnahme gegen die Prophezeiung des Zerstörers geplant gewesen, ein sorgsam kalkuliertes Manöver im Krieg gegen die Vampire, eine Strategie, um Omegas Überleben zu sichern. Sein Sohn würde seine Schlachten auf eine völlig neue Weise schlagen und diese Wilden ausrotten, bevor der Zerstörer Stück für Stück Omegas Wesen vernichtete, bis nichts mehr von ihm übrig war.
Und bis zu eben diesem Moment hatte der Plan fehlerfrei funktioniert - angefangen mit der Entführung einer Vampirin, die Omega besamt hatte, bis hin zu diesem N
euankömmling in der Welt.
Der Säugling sah ihn an, das kleine Mündchen bewegte sich lautlos. Er roch süß, aber nicht, weil er ein Lesser war.
Plötzlich wollte Omega ihn nicht mehr loslassen. Dieser Junge in seinen Armen war ein Wunder, ein lebendiges, atmendes Schlupfloch. Omega war - im Gegensatz zu seiner Schwester - kein Akt der Schöpfung gewährt worden, doch die Fortpflanzung war ihm auch nicht verwehrt geblieben.
Zwar war er nicht imstande, eine völlig neue Spezies zu erschaffen; doch er konnte einen Teil von sich selbst in den Genpool einbringen.
Und das hatte er getan.
"Meister?", sagte der Haupt-Lesser
Er wollte dieses Baby wirklich nicht abgeben, aber damit sein Plan funktionierte, musste sein Sohn bei seinen Feinden leben, musste als einer von ihnen aufgezogen werden. Er musste ihre Sprache und ihre Kultur und ihre Gebräuche kennen lernen.
Sein Sohn musste wissen, wo sie lebten, damit er sie finden und abschlachten konnte.
Omega zwang sich, den Säugling seinem Haupt-Lesser auszuhändigen. "Leg ihn an dem Sammelplatz ab, den zu zerstören ich dir verboten habe. Wickle ihn in Windeln und lass ihn dort, und wenn du zurückkehrst, werde ich dich zu mir emporziehen."
Woraufhin du sterben wirst, da dies mein Wille ist, beendete Omega den Satz im Stillen.
Es durfte keine undichten Stellen geben. Keine Fehler.
Während der Haupt-Lesser diensteifrig katzbuckelte, was Omega zu jedem anderen Zeitpunkt durchaus amüsiert hätte, ging die Sonne über den Äckern von Caldwell, New York, auf. Von oben steigerte sich ein leises Zischen zum Fauchen eines ausgewachsenen Feuers. Der Brandgeruch kündete von der Einäscherung der weiblichen Leiche, die mitsamt dem ganzen Blut auf dem Bett verbrannte.
Was doch ganz wunderbar war. Reinlichkeit war wichtig, und dieses Bauernhaus war nagelneu, war extra für die Geburt seines Sohnes errichtet worden.
"Geh", befahl Omega. "Geh und tu deine Pflicht."
Der Haupt-Lesser ging mit dem Säuglin
g davon, und als Omega die Tür ins Schloss fallen sah, sehnte er sich nach seinem Sprössling. Verspürte ein geradezu körperliches Verlangen nach ihm.
Die Lösung für seine Beklemmung lag allerdings auf der Hand. Omega erhob sich kraft seines Willens in die Luft und katapultierte das, was er an körperlicher Gestalt besaß, in die "Gegenwart", in exakt das Wohnzimmer, in dem er sich gerade befand.
Der Zeitenwandel manifestierte sich in einem rapiden Alterungsprozess des Hauses um ihn herum. Tapeten verblassten und lösten sich in trägen Streifen von der Wand ab. Möbel verschlissen und wiesen mehr und mehr Spuren von über zwanzig Jahren Gebrauch auf. Die Decke trübte sich von einem hellen Weiß zu einem schmutzigen Gelb, als hätten Raucher hier jahrelang ihrem Laster gefrönt. Holzdielen bogen sich im Flur an den Kanten auf.
Im hinteren Teil des Hauses hörte er zwei Menschen miteinander streiten.
Omega schwebte in die dreckige, abgenutzte Küche, die noch vor wenigen Sekunden blitzblank und nagelneu gewesen war.
Als er in den Raum kam, hörten der Mann und die Frau auf zu schimpfen und erstarrten vor Schreck. Und er setzte die ermüdende Arbeit fort, das Bauernhaus von neugierigen Augen zu reinigen.
Sein Sohn kehrte zu seinem Ursprung zurück. Und Omegas Bedürfnis, ihn zu sehen, war beinahe noch stärker als das, ihn seinem Zweck zuzuführen.
Als das Böse ihn mitten auf der Brust berührte, fühlte er sich leer und musste an seine Schwester denken. Sie hatte eine völlig neue Spezies hervorgebracht - eine Spezies, die sie durch eine Kombination ihres Willens und der verfügbaren Biologie geschaffen hatte. Sie war so stolz auf sich gewesen.
Genau wie ihr gemeinsamer Vater.
Omega hatte eigentlich nur begonnen, die Vampire zu töten, um die beiden zu ärgern, doch schnell hatte er gelernt, dass er sich von seinen Untaten nährte. Ihr Vater konnte ihn nicht aufhalten, wie sich herausstellte, denn Omegas Taten - vielmehr seine Existenz selbst - waren notwe
ndig, um die Güte seiner Schwester auszugleichen.
Das Gleichgewicht musste aufrechterhalten werden. Das war das Grundprinzip seiner Schwester, die Existenzberechtigung Omegas und der Auftrag, den ihr Vater von seinem Vater erhalten hatte. Das Fundament der Welt.
Und so kam es, dass die Jungfrau der Schrift litt, und Omega daraus Genugtuung zog. Jeder Tod, den er ihrem Volk zufügte, schmerzte sie, und das war ihm wohl bewusst.

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