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Wrath
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Euer Chara
Partner: Beth
Gattung: Vampir (reinrassig)
Job:

BeitragThema: Leseprobe   Sa Sep 17, 2011 9:32 pm

BLOODLETTERS KRIEGERLAGER,
ALTES LAND, 1644

Er wünschte sich, er hätte mehr Zeit. Allerdings, was würde das
in Wahrheit schon ändern? Die Zeit spielte nur eine Rolle, wenn
man sie auch nutzen konnte.
Darius, leiblicher Sohn des Tehrror, verstoßener Stiefsohn des
Marklon, saß auf dem Boden, sein geöffnetes Tagebuch auf ei­
nem Knie und eine Kerze vor sich. Die einzige Lichtquelle war
die kleine Flamme, die bei jedem Luftzug flackerte, und sein
»Zimmer« war die hinterste Ecke einer Höhle. Seine Kleidung
war aus rohem, kampferprobtem Leder gefertigt, genauso wie
seine Stiefel.
In seiner Nase vermischten sich der strenge Geruch von männ­
lichem Schweiß und feuchter Erde mit dem süßlichen Gestank
von verwesendem Lesser­Blut.
Mit jedem Atemzug schien der Gestank noch schlimmer zu wer­
den.
Er blätterte rückwärts durch die Pergamentseiten, Tag für Tag,
bis er zu einer Zeit gelangte, die er noch nicht hier im Kriegerlager
verbracht hatte.
Er sehnte sich so sehr nach seinem Zuhause, dass es ihm kör­
perliche Schmerzen bereitete. Der Aufenthalt in diesem Lager kam
eher einer gewaltsamen Deportation gleich als einem einfachen
Ortswechsel.
Er war in einem Schloss aufgewachsen, in dem Eleganz und
Anmut das Leben bestimmten. Innerhalb der starken Mauern,
die seine Familie vor Mensch und Lesser gleichermaßen geschützt
hatten, war jede Nacht so warm und nach Rosen duftend wie
eine Julinacht gewesen, und die Monate vergingen in Muße und
Behaglichkeit. Die fünfzig Zimmer, die er oft durchwandert hatte,
waren mit Satin und Seide ausgekleidet und mit Möbeln aus ed­
len Hölzern eingerichtet. Auf den Böden lagen Webteppiche an­
statt der üblichen Binsenstreu. Ölgemälde in vergoldeten Rah­
men und Marmorstatuen in eleganten Posen bildeten die Platin­
fassung für eine funkelnde Existenz.
Und so wäre es damals unvorstellbar gewesen, dass er jemals
dort sein würde, wo er jetzt war. Das Fundament seines Lebens
verfügte jedoch über eine entscheidende Schwachstelle.
Das schlagende Herz seiner Mutter hatte ihm das Recht er­
wirkt, unter diesem Dach zu leben und verwöhnt aufzuwachsen.
Aber als dieses liebende, lebenswichtige Organ in ihrer Brust zu
schlagen aufhörte, hatte Darius nicht nur seine Mahmen ver­
loren, sondern auch das einzige Heim, das er je gekannt hatte.
Sein Stiefvater hatte ihn hinausgeworfen und hierher ver­
bannt, aus einer Feindschaft heraus, die er lange verborgen und
schließlich offenbart hatte.
Darius hatte keine Zeit gehabt, den Tod seiner Mutter zu be­
trauern. Keine Zeit, um sich über den plötzlichen Hass des Man­
nes zu wundern, der praktisch sein Vater gewesen war. Keine
Zeit, um sich nach der Identität zurückzusehnen, die er als Vam­
pir aus einer angesehenen Familie innerhalb der Glymera gehabt
hatte.
Er war einfach am Eingang dieser Höhle abgesetzt worden, wie
ein Mensch, der von der Pest heimgesucht worden war. Und die
Kämpfe hatten begonnen, bevor er jemals einen Lesser gesehen
oder auch nur mit dem Training für den Kampf gegen die Vam­
pirjäger begonnen hatte. Während seiner ersten Nacht und seines
ersten Tages in diesem Lager war er von den anderen Neulingen
angegriffen worden, die ihn aufgrund seiner teuren Kleidung –
die einzige Garnitur, die er hatte mitnehmen dürfen – für einen
Schwächling hielten.
In diesen dunklen Stunden hatte er jedoch nicht nur sie, son­
dern auch sich selbst überrascht.
In diesen Stunden hatte Darius, genau wie die anderen, festge­
stellt, dass trotz seiner aristokratischen Erziehung das Blut eines
Kriegers in seinen Adern floss. Nicht das Blut eines Soldaten,
sondern das eines Mitglieds der Bruderschaft der Black Dagger.
Ohne es gelernt zu haben, hatte sein Körper kaltblütig auf den
Angriff reagiert. Obwohl sein Verstand mit der Brutalität sei­
ner Taten rang, hatten seine Hände, Füße und Fänge genau
gewusst, was sie zu tun hatten.
Offensichtlich gab es noch eine andere Seite von ihm, die er
bisher selbst nicht gekannt hatte, die aber seinem »Ich« mehr ent­
sprach als das Bild, das ihm so lange aus dem Spiegel entgegen­
geblickt hatte.
Mit der Zeit war sein Kampfstil noch geschickter und seine
Abscheu vor sich selbst geringer geworden. Tatsache war, dass
er gar keine Wahl hatte: Es war das Erbe seines leiblichen Vaters
und von dessen Vater und des Vaters seines Großvaters, das ihn
zu einer kraftvollen Kampfmaschine machte. Die reine Blutlinie
eines Kriegers.
Und zu einem teufl ischen, tödlichen Gegner obendrein.
In der Tat fand er es äußerst beunruhigend, dass er diese andere
Identität besaß. Es war, als ob er über zwei verschiedene Schatten
verfügte, als ob sein Körper stets von zwei verschiedenen Lichtquel­
len angestrahlt wurde. Aber obwohl sein abscheuliches und bruta­les
Verhalten seine anerzogenen Gefühle verletzte, wusste er, dass
dies Teil des höheren Ziels war, dem er zu dienen bestimmt war.
Und das hatte ihn immer wieder gerettet … vor jenen innerhalb
des Lagers, die ihm Schaden zufügen wollten, und vor dem einen,
der ihnen allen scheinbar den Tod wünschte. Bloodletter sollte ei­
gentlich ihr Whard sein, aber er verhielt sich eher wie ein Feind,
selbst während er sie in der Kriegskunst unterwies.
Aber vielleicht war das gerade der Punkt. Der Krieg war eine
hässliche Sache, egal, ob man sich darauf vorbereitete oder daran
teilnahm.
Bloodletters Unterricht war brutal, und seine sadistischen Vor­
schriften forderten Taten, an denen sich Darius nicht beteiligen
wollte. Auch wenn Darius aus Übungskämpfen mit anderen im­
mer als Sieger hervorging, nahm er nie an den Vergewaltigungen
teil, die als Strafe für die Besiegten vorgesehen waren. Er war der
Einzige, dessen Ablehnung akzeptiert wurde. Bloodletter hatte ein
einziges Mal versucht, diese Verweigerung zu brechen. Aber als
Darius ihn dabei fast besiegte, hatte er ihn künftig in Ruhe ge­
lassen.
Die Gegner, die Darius unterlagen, und dazu zählten alle im
Lager, wurden von anderen bestraft, und während der Rest der
Lagerinsassen mit diesem Spektakel beschäftigt war, suchte Da­
rius meist Trost in seinem Tagebuch. Im Moment konnte er kei­
nen Blick in Richtung des Hauptlagerfeuers werfen, da gerade
wieder einmal eine dieser Bestrafungsaktionen stattfand.
Er hasste es, dass er erneut die Ursache dafür war, aber er
hatte keine Wahl … Er musste nun einmal trainieren, kämpfen
und gewinnen. Und das Ergebnis dieser Gleichung wurde durch
Bloodletters Gesetz bestimmt.
Vom Lagerfeuer drangen grunzende Laute und lüsterne Spott­
rufe zu ihm herüber.
Darius’ Herz schmerzte bei diesen Lauten, und er schloss die
Augen. Der Kerl, der im Moment in Darius’ Namen die Bestra­
fung ausführte, war ein brutaler Typ, ganz nach Bloodletters
Vorbild. Er meldete sich häufig als Ersatz für Darius, da er es
wie starken Met genoss, anderen Schmerzen zuzufügen und sie
zu demütigen.
Aber vielleicht würde es nicht mehr lange so sein. Zumindest
nicht für Darius.
Heute Nacht würde er zum ersten Mal ins Feld ziehen. Nach­
dem er ein Jahr lang ausgebildet worden war, zog er nun nicht
nur mit Kriegern hinaus, sondern mit Brüdern. Es war eine sel­
tene Ehre – und ein Zeichen, dass der Krieg gegen die Gesellschaft
der Lesser fatal war. Darius’ angeborene Fähigkeiten hatten ihre
Aufmerksamkeit erregt, und Wrath, der König der Vampire, hatte
befohlen, dass er aus dem Lager geholt und nunmehr von den
besten Kämpfern des Vampirvolkes unterrichtet werden sollte.
Der Bruderschaft der Black Dagger.
Vielleicht war jedoch alles umsonst gewesen. Wenn sich in die­
ser Nacht herausstellen sollte, dass er nur in der Lage war, sich
mit seinesgleichen im Kampftraining zu messen, würde man ihn
wieder in diese Höhle zurückbringen, damit er weiterhin in den
Genuss von Bloodletters »Unterricht« kommen konnte.
In diesem Fall würde er nie mehr von den Brüdern geprüft wer­
den, sondern sein Leben lang als Soldat dienen müssen.
Die Bruderschaft gab einem nur eine Chance, und bei der Prü­
fung in dieser Mondscheinnacht ging es nicht um Kampfstile
oder den Umgang mit Waffen. Es war eine Prüfung des Herzens.
War er in der Lage, in die blassen Augen des Feindes zu blicken
und dessen süßlichen Geruch wahrzunehmen, ohne die Ruhe zu
verlieren, während er die Jäger zur Strecke brachte?
Darius löste seinen Blick von den Wörtern, die er vor einer
halben Ewigkeit zu Papier gebracht hatte. Im Zugang zur Höhle
standen vier hochgewachsene, breitschultrige Männer, die bis an
die Zähne bewaffnet waren.
Mitglieder der Bruderschaft.
Er kannte das Quartett und ihre Namen: Ahgony, Throe,
Murhder, Tohrture.

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